Aktuelle Informationen
rund um Immobilien

Immobilienexperte sieht keine Trendumkehr

Verfehlte Wohnpolitik führt zu Verknappung

Münster/Frankfurt - Hohe Mieten und Kaufpreise für Wohneigentum sind ein gesellschaftliches Dauerthema auch in Deutschland. Die Politik agiert ohne Konzept. Steigen die Mieten weiter? Gibt es eine Immobilien­blase? Unser Redaktionsmitglied Frank Polke sprach mit dem Geschäftsführer des Bundesverbands für die Immobilienwirtschaft, Jürgen Engelberth.
Viele Menschen stöhnen unter den hohen Miet­preisen oder den hohen Kosten für den Erwerb bzw. Bau eines Eigenheims. Worin sehen Sie die Ursachen für die ­aktuelle Lage? 
Engelberth: Ursachen gibt es dafür viele. Zum einen eine völlig verfehlte Wohnungsbaupolitik, was zu einer erheblichen Verknappung im Markt geführt hat. Hier wurden extreme Fehler im Bund, aber eben auch im Land, in den ­Städten und Kommunen ­gemacht. Der derzeitige ­Flaschenhals im Immobilien-Markt kann bestimmt zu 90 Prozent auf diese politischen Verfehlungen zurückgeführt werden. Geradezu paradox erscheinen dann die Bemühungen der Regierung, Ihre eigenen Fehler durch Eingriffe in den freien Markt zu korrigieren. Wie anders sollte man denn die Versuche durch Mietpreisbremse, Bestellerprinzip und Ähnliches verstehen. Ein weiterer Punkt wird durch die Bürokratie sowie die immer irrwitzigeren technischen Anforderungen an Neubauvorhaben ver­ursacht. So müssen in Baden-Württemberg bei neuen Mehrfamilienhäusern zum Beispiel überdachte Fahrradstellplätze verpflichtend gebaut werden oder bei Mehrfamilienhäusern grundsätzlich auch Kinderspielplätze, auch wenn nur ­Rentner im Haus wohnen. Und die ständig steigenden Anforderungen durch die Energieeinspar-Verordnungen tun ihr Übriges.

Auch für Mieter ist die ­Lage im Moment in vielen Städten schwierig. Was halten Sie von der eingeführten Mietpreisbremse?
Engelberth: Die Mietpreisbremse war ein gefundenes Fressen für die Medien. Verändert hat sie aber bisher nicht viel. Der Staat spielt ein doppeltes Spiel: Zum einen ist die Mietpreisbremse der Beginn einer schleichenden Enteignung der Eigentümer und damit ein unhaltbarer Eingriff in die freie Marktwirtschaft. Zum anderen will der Staat Mietsteigerungen verhindern, damit er Nebenkosten wie Grundsteuern, Grunderwerbsteuern und Sonstiges erhöhen kann, um dem Bürger in die ­Tasche zu greifen.
Experten zum Beispiel des IWF und der Bundesbank sehen erste Anzeichen einer Preisblase vor allem in größeren Städten. Teilen Sie diese Einschätzung?
Engelberth: Nein, diese Annahme teile ich nicht, denn die Immobilienmärkte in Deutschland waren über Jahrzehnte ziemlich unterbewertet. Ob es allerdings sinnvoll ist, Immobilien für 20 000 Euro oder mehr je Quadratmeter zu erwerben, wage ich dann doch zu bezweifeln. Insgesamt sehe ich den Immobilienmarkt in Deutschland aber als sehr stabil an.
Sehen Sie Auswege aus der momentanen Lage?


Die momentane Lage wird sich in Zukunft wohl nicht verändern lassen, ­insbesondere dann nicht, wenn man berücksichtigt, dass Deutschland auch in Zukunft ein Zuwanderungsland bleibt. Man hat uns vor einigen Jahren prognostiziert, dass wir auf 60 Millionen Einwohner schrumpfen würden. Tatsächlich sind wir aber mittlerweile auf über 83 Millionen an­gewachsen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Im ­Moment sind wir also gar nicht in der Lage, so viele Wohnungen zu bauen, wie die Nachfrage es verlangt.
Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen sehen Sie durch die Lage auf dem Immobilienmarkt? 
Engelberth: Unsere Me­tropolen München, Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart sind natürlich ein ­teures Pflaster geworden und die Märkte bleiben hier auch weiterhin sehr ­­an­gespannt. Angespannte Märkte in Ballungszentren führen aber langfristig auch dazu, dass der ländliche Raum wieder attraktiver wird, wenn man hier ­gleichzeitig für eine nachhaltige Infrastruktur und eine gute Verkehrsanbindung sorgt. Wohnen ist ein wertvolles Gut, und es darf auch durchaus einen an­gemessenen Preis haben. In der Vergangenheit war es aber oft so, dass die Be­wohner mehr für Ihren ­Jahresurlaub ausgegeben haben als für die Miete. Dies wird zukünftig nicht mehr möglich sein.

Quelle: IVD

Nach oben scrollen