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Studie belegt: Überall im Münsterland fehlen Wohnungen

Mangel lässt die Preise explodieren

-Elmar Ries- Münster - Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Wort „Landflucht“ in aller Mund und folgender Satz in Stein gemeißelt: „Auf dem Land wird zu viel gebaut und damit heute der Leerstand von morgen produziert.“ Das klang zugegeben knackig und hatte zur Folge, dass in der Regionalplanung mit neuen Baugebieten gegeizt und in den Rathäusern Bauland eher zögerlich ausgewiesen wurde.

Für das Münsterland steht seit Montag fest: Die Annahmen sind falsch, die Konsequenz auch. Das geht zumindest aus der Studie „Gut Wohnen in Münster – eine Macher-Region mit enormem Potenzial“ hervor, die das Hannoveraner Pestel-Institut im Auftrag der „Wohnraumoffensive Münsterland“ – eines Zusammenschlusses der Stadt Münster, der Kreise, der Wohnbau-Unternehmensgruppe sowie der Sparkassen der Region – in Auftrag gegeben hat. Danach fehlen nicht nur in Münster, sondern auch in den Landkreisen Warendorf, Coesfeld, Borken und Steinfurt Wohnraum.

Weil das Münsterland attraktiv ist, wirtschaftlich prosperiert und darum auch bei verhaltener Erwartung bis 2035 mit rund 7500 Neubürgern pro Jahr rechnen darf, gewinnt das Thema Wohnen besondere Bedeutung. Knapp 10 000 Wohnungen müssten pro Jahr in der Region gebaut werden, allein um den Bedarf zu decken. Damit wäre das angestaute Defizit aber noch lange nicht abgebaut. Münsterlandweit wurden 2017 nur rund 7600 Wohnungen gebaut, sagte Pestel-Studienleiter Matthias Günther.

-Mangelware Bauland: Das Einzige, was im Münsterland im Wohnraum-Kontext zurückgeht, ist das verfügbare Bauland. In vielen Rathäusern stapeln sich Anfragen nach Bauland, die nicht befriedigt werden können. Wenn Bauland ausgewiesen wird, „werden ihnen die Grundstücke aus der Hand gerissen“, sagte der Warendorfer Landrat Dr. Olaf Gericke. Folglich müsse mehr Bauland zur Verfügung gestellt werden, „je weiter man weg von Münster ist, desto vorsichtiger“. Hein­rich-Ge­org Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, forderte zur Koordinierung der Bedarfe „eine münsterlandweite Strategie“.

-Bauland-Preise: Wenig überraschend: Am teuersten ist Bauland in Münster. Hier stieg der Preis je Quadratmeter zwischen 2011 und 2017 im Mittel von 290 auf 450 Euro. Das entspricht einem Plus von 55,2 Prozent. Der Trend spiegelt sich in der Region. In 38 von 66 un­ter­suchten Kommunen erhöhten sich die Preise im Referenzzeitraum im zweistelligen Prozentbereich. In Warendorf von 138 auf 210 Euro (52,2 Prozent), in Ochtrup von 85 auf 115 Euro (35,5 Prozent), in Telgte von 173 auf 240 Euro (38,7 Prozent).

-Mieten: Auch die Mieten sind in 57 der 66 Münsterland-Gemeinden zwischen 2011 und 2017 gestiegen. Spitzenreiter ist auch hier Münster mit einem Plus von 17,3 Prozent. Die Preise pro Quadratmeter (kalt) erhöhten sich in der Großstadt von durchschnittlich 7,84 Eu­­ro im Jahr 2011 auf 9,20 Euro im Jahr 2017. Die höchste prozentuale Preissteigerung traf Mieter in Beelen (Kreis Warendorf). Dort stieg der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 4,55 Euro auf 5,76 Euro (plus 26,6 Prozent). Die preisgünstigsten Wohnungen findet man übrigens in Ennigerloh (Kreis Warendorf) mit Mieten von 5,45 Euro je Quadratmeter.

-Wirtschaftsregion Münsterland: Das Münsterland ist eine wirtschaftliche Boom-Region. „Die Un­ternehmer haben einen hohen Bedarf an Fachkräften von außen“, sagte Jörg Münning, Vorstandsvorsitzender der LBS West. Darum sei es ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft, den dringend benötigten Fachkräften auch adäquaten Wohnraum anbieten zu können. „Sonst steht zu befürchten“, ergänzte Krumme, der auch IHK-Vizepräsident ist, „dass perspektivisch die wirtschaftliche Entwicklung der Region nachhaltig beeinträchtigt wird“.

Die Ergebnisse für die Münsterlandkreise und jede Gemeinde finden sich unter lbs-presse.nrw/wohnungsbedarf-muensterland/Kreise und lbs-presse.nrw/wohnungsbedarf-muensterland/Gemeinden

Quelle: Westfälische Nachrichten

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